Sanitätsbereitschaft Sindelfingen unterstützt Strahlenschutzübung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: W.Bux   
Montag, 19. Juli 2010 um 12:05 Uhr

 

Strahlungswolke über Herrenberg nach einem Störfall im AKW Neckerwesthein -


so lautete die Übungsannahme für die Strahlenschutzvorsorgeübung in Herrenberg am vergangenen Samstag, 17.07.2010. Über 300 Einsatzkräfte und Mimen von DRK, Feuerwehr, THW, Polizei und anderen Hilfsorganisationen waren an der Übung beteiligt. Unterstützt wurden die Einsatzkräfte des DRK dabei auch von Helferinnen und Helfern der Sanitätsbereitschaft im DRK-Ortsverein Sindelfingen. Wie Raumanzüge sahen die Schutzanzüge aus, in die die Hleferinnen und Helfer zum - im Ernstfall Selbstschutz -  "verpackt" wurden. Dann erst durften sie den "Strahlungsopfern" zu Hilfe eilen.

Schnell wurde klar, dass die einzige wirkungsvolle Hilfeleistung bei einem Strahlungsunglück nur sein kann, die Betroffenen so schnell wie möglich aus der Strahlungswolke zu evakuieren und von den an ihnen anheftenden Strahlungsteilchen zu befreien. Wichtig ist dabei vor allem, dass eine Aufnahme von Strahlungsteilchen über die Atmungs- und Nahrungswege verhindert werden kann.  Eine einmal "abbekommene" Strahlendosis ist dagegen im Prinzip nicht mehr rückgängig zu machen und deren gesundheitliche Auswirkungen - weil sehr unberechenbar - fast nicht zu verhindern. Aufgenommene Strahlung zerstört oder beschädigt das Zellgewebe und ggf. die DNA - inwieweit es dem Körper gelingt, diese Zerstörungen rückgängig zu machen ist eine Frage der aufgenommen Dosisleistung, der individuellen Regenerationsfähigkeit des Körpers und auch des Glücks, nämlich dann, wenn die Strahlen ohne allzuviele Treffer an der DNA das Körpergewebe passiert haben. Daher ist es entscheidend, die Strahlungsquellen schnell und effektiv zu entfernen. sind sie einmal in den Körper gelangt, wird man sie kaum noch entfernen können und sie können von dort ungestört ihr "strahlendes Zerstörungswerk" fortsetzen.

Ab einer bestimmten Dosis ( 3 bis 5 Sv - siehe unten) nützt allerdings alles nichts mehr - die Strahlungsschäden sind dann so groß, dass es nach wenigen Tagen zu einem Absterben des betroffenen Körpergewebes kommt.. Ein solcher Fall kommt aber bei einem AKW-Störfall eigentlich kaum vor - viel gefährlicher ist in der Realität der leichtfertige Umgang mit medizinischen und technischen Geräten, die Strahlungselemente enthalten und Strahlen in dieser Dosisleistung abgeben können, vor allem wenn leichtfertig die Schutzverkleidung um den "Strahler" entfernt wurde.

Doch zurück zur Übung: ergab sich bei den "Betroffenen" aufgrund von Befragung und Messungen der Verdacht auf Strahlungsbelastung ging es gleich ab zur Dusche. Die Kleidung musste zwecks Dekontamination ebenfalls abgegeben werden und wurde aus den Notfallbeständen im Landkreis ersetzt - wie gut, dass es bei realen größeren Unglücken auch noch die Kleiderkammern des DRK gibt!

Der verantwortliche Übungsleiter des LRA Böblingen war voll des Lobs über das Zusammenwirken der verschiedenen Hilfsorganisationen. Das Räderwerk habe hervorragend funktioniert und alles lief Hand-in-Hand. Auch für die Rotkreuzler aus Sindelfingen war die Übung nicht nur interessant und spannend, sondern - vor allem für die jüngeren - sehr lehrreich dahin gehend, welche Gefahren ein Strahlungsunglück auch für die Helferinnen und Helfer selbst mit sich bringen kann. 

Für Interessierte hier noch ein paar wissenswerte Informationen zur Strahlung:


Die derzeit gängige "Einheit", die die Strahlungsbelastung und das Gesundheitsrisiko laienhaft gesagt "in Beziehung setzt", heißt Sievert oder abgekürzt Sv. Als Faustregel lässt sich sagen, dass bei einer Strahlungs-Dauerbestlastung das Krebsrisiko um 5% je 1 Sv Strahlung zunimmt, d.h. bei 2 Sv Strahlungsaufnahme steigt das Kreibsrisiko um 10 %. Daueraufnahme bedeutet in diesem Zusammenhang eine lebenslange Strahlungsaufnahme, die sich aufaddiert. Anders ausgedrückt, eine einmal aufgenommene Strahlendosis vergisst der Körper bei den Dauerwirkungen nie mehr.

Akute gesundheitliche Schäden entstehen dagegen bei einer akuten Strahlungsdosis von ca. 3 Sv (u.a. Haarausfall) und mehr.

Unsere natürliche Strahlungsbelastung beträgt pro Jahr ca. 2 mSv (2 milliSievert) - d.h. zwei tausendstel Sv. Das bedeutet, dass wir tausend Jahre leben müssten, um auf eine Dauerstrahlungsbelastung von 2 Sv und somit zu einem erhöhten Kresrisiko von 10 % zu kommen. Allerdings haben wir noch ergänzende Strahlungsquellen, so z.B. das Rauchen, das uns bei 20 Zigaretten am Tag mit zusätzlichen 9 mSV pro Jahr belastet, beim Fliegen kommen nochmals 10 mSv für das Flugpersonal hinzu, so dass ein rauchender Pilot schon der doppelten natürlichen Strahlungsbelastung ausgesetzt ist, also schon in 500 Jahren mit einem 10 % erhöhten Krebsrisiko rechnen muss .  

So beruhigend das auf den ersten Blick erscheint, so kann - hat man verflixtes Pech - schon nach wenigen Jahren auch die natürliche Strahlung Krebs auslösen - auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, es ist eben nicht auszuschließen. Von Menschenhand eingesetzt, gibt es auf der anderen Seite zur Sterisilation von u.a. medizinischen Produkten sog. Kobalt 60-Strahler, deren Strahlungskraft so groß ist, dass der Tod - ist man ihnen ausgesetzt - schon nach wenigen Sekunden eintritt.  Das Dumme ist, dass das bei z.B. einem Unglücksfall in einem solchen Betrieb evt. nicht immer gleich erkannt werden kann.

Strahlung sollte daher nicht unangemessen Panik auslösen, es sollte aber auch nicht leichtfertig mit ihr umgegangen werden. Vorsicht und angemessener Respekt vor und mit Strahlungsquellen sind dabei der beste Schutz vor Strahlungsgefahren. 

Zuletzt aktualisiert am Montag, 19. Juli 2010 um 14:03 Uhr
 
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